Kanzlei Göb & Jansen

Wochenrückblick KW 46

 

 

Die Jahresendrallye hat begonnen. Zwei Seminare liegen noch vor mir – in Kaufungen und Bad Hersfeld.

 

Gerichtstermine stehen an, drei Einigungsstellen und ansonsten außergerichtliche Verhandlungen – mit der Arbeitgeberseite, mit dem Integrationsämtern, mit den Gewerkschaften und natürlich in meinen Gremien.

 

Ich stelle gerade nicht wirklich überrascht fest, wie ernst die Personalsorgen der Firmen und meiner Betriebsräte wirklich sind.

 

Die von mir schwerpunktmäßig betreute Nahrung- und Genussbranche ist davon besonders betroffen.

 

Das bedeutet zum Beispiel für den Hotelgast nicht selten eingeschränkten Service, der sich u.a. äußert in geschlossenen Hotelbars, eingeschränkter Zimmerreinigung, begrenztem Küchenangebot etc.- jetzt schon selbst mehrfach erlebt in Gießen, Fulda oder Leipzig.

 

Wir reden aber beileibe nicht nur von dieser Branche.

 

Den Satz „uns fehlen Leute“ höre ich von meinen Seminarteilnehmern auch branchenübergreifend und deutschlandweit.

 

Ehrlich gesagt ist die Personaldecke bei Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten auch nicht gerade klasse!

 

Und mit den weiteren, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es gerade ja auch nicht zum Besten bestellt.

 

Was mich dabei umtreibt, ist, dass ich in der Politik nicht erkennen kann, dass für diese Themen Lösungen vorbereitet werden.

 

Es ist gelinde gesagt widersprüchlich, daß der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg in einem Interview mit dem Handelsblatt lapidar sagt, „das Gerede von der Deindustralisierung sei übertrieben“

 

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ministerpraesident-von-baden-wuerttemberg-im-interview-winfried-kretschmann-das-gerede-von-der-deindustrialisierung-ist-uebertrieben/28808488.html (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ministerpraesident-von-baden-wuerttemberg-im-interview-winfried-kretschmann-das-gerede-von-der-deindustrialisierung-ist-uebertrieben/28808488.html)

 

,wenn nahezu zeitgleich ein Vorstand einer bekannten Automarke öffentlich erklärt, die Chance, dass es diese Marke in zehn Jahren noch gäbe, stehe 50/50.

 

Vorständin: „50-Prozent-Chance, dass es Audi in zehn Jahren noch gibt“ (https://www.merkur.de/wirtschaft/audi-herausforderung-vorstand-hildegard-wortmann-auto-industrie-aenderung-ingolstadt-aktuell-zr-91885879.html)

 

Das Betriebsverfassungsgesetz spricht nicht ohne Grund von dem „Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit“ zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern.

 

Ich persönlich glaube, daß für nichts anderes Zeit ist.

 

Und das bedeutet beispielsweise, daß sich die Betriebsparteien, wie § 92 BetrVG fordert, über die zukünftige Personalplanung g e m e i n s a m Gedanken machen.

 

Denn, wenn jetzt schon Personalmangel herrscht, wie wird es erst sein, wenn die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge in den nächsten Jahren nach und nach in Rente gehen.

 

Damit einher geht die Frage, wenn eine Lösung sein kann – ich sage ausdrücklich kann -, daß Menschen länger arbeiten, wie es dann in den Unternehmen mit der Gesundheitsfürsorge aussieht?

 

Allerdings wage ich auch zu prognostizieren, daß wir es nach derzeitigem Stand nicht ohne Einwanderungen schaffen werden, die Personalprobleme zu lösen.

 

Das wiederum heißt aber für die Politik jetzt Rahmenbedingungen zu schaffen, die Einwanderung so gestaltet, daß Menschen in diesem Land integriert und nicht ghettoisiert werden.

 

Das heißt aber auch, daß wir Menschen anderer Länder unsere Kultur verstehen lernen lassen und sich nicht selbst überlassen.

 

Diversity Management ist alternativlos, das aber ist ohne Frage auch eine g e m e i n s a m e Aufgabe von Betriebsräten und Arbeitgebern, wie natürlich der Gesellschaft.

 

Ich werde von Betriebsräten oft gefragt, „Frank, was kann ich inhaltlich als Betriebsrat machen.“

 

Ich antworte darauf immer gleich, indem ich sage, daß es selten für Betriebsräte mehr zu tun gegeben hat, wie zum Beispiel, sich zu den gerade aufgeworfenen Fragen betriebsöffentlich zu positionieren oder aber zu den ganzen anderen aktuellen Fragen zum Gesundheitsmanagement, zur EDV-Nutzung oder aber zur Einführung künstlicher Intelligenz etc..

 

Und eines ist mir dabei besonders wichtig, nämlich meinen Seminarteilnehmern näher zu bringen, daß die Segnungen des Betriebsverfassungsgesetzes etwas Besonderes sind, für das es sich lohnt, sich einzusetzen und daß die n o c h bestehende wirtschaftliche Stärke unseres Landes unmittelbar damit zusammenhängt – meiner Meinung nach.

 

Euch eine schöne Woche!