Wochenrückblick KW 16 2024

Wart Ihr schon mal mit Delfinen schwimmen?

Seit Kindesbeinen an bin ich ein Fan dieser Tiere, wie wahrscheinlich viele Erwachsene meiner Generation.

Und trotzdem musste ich 55 Jahre werden und auf die Bahamas fliegen, um einen Delfin im Wasser zu begegnen.

Und ich kann Euch diesen Satz weder erklären noch beweisen, aber von diesen Tieren geht etwas Magisches aus.

Sie kommen auf Dich zu und zaubern Dir ein Lächeln ins Gesicht.

Du fasst sie an und möchtest sie am liebsten drücken.

Ihre Ausstrahlung und Kraft ist beeindruckend.

Ich verspürte keinerlei Angst, sondern in mir war nur pure Lebensfreude und ein unglaubliches Glücksgefühl.

Was hat das mit meinem Beruf zu tun?

Aufgrund der Begegnung mit Nina, so hieß „mein“ Delfin habe ich mir im Nachgang bewusst gemacht, dass ich im Umgang mit einem solchen Tier meine eigenen Fähigkeiten für mich als Verhandler schärfen kann.

Warum?

Tiere, natürlich nicht nur Delfine, kommunizieren nonverbal, und es bedarf eines hohen Maßes an Einfühlungsvermögen, um ihre Bedürfnisse und Gefühle zu verstehen.

Das weiß ich als Hundebesitzer zwar auch nur zu genau, habe mir aber nie darüber Gedanken gemacht, was das für meinen beruflichen Alltag bedeutet.

Als Verhandler trägt eine solche Fähigkeit – nennen wir es hier mal Empathie – dazu bei, die Motive und Bedürfnisse der anderen Partei besser zu erkennen und zu begreifen.

Dies ermöglicht es, Lösungen zu entwickeln, die zu Win-Win-Ergebnissen führen oder besser führen können.

Der Umgang mit einem Tier erfordert Geduld, vor allem, wenn man ihnen neue Dinge beibringt oder ihr Vertrauen gewinnen möchte.

Was mich sehr beeindruckt hat, war die Liebe und Ausdauer von Nina‘s Trainer, mit der dieser dem Delfin nicht nur an diesem Tag unseres Kennenlernens begegnet ist, sondern, die auch spürbar wurde, als er von der Geduld erzählte, die er in unzähligen Trainingsstunden bereits voller Hingabe aufgebracht hat.

In Verhandlungen ist Geduld ebenfalls entscheidend, um den richtigen Moment für Vorschläge oder Zugeständnisse abzupassen und nicht überstürzt zu handeln.

Das Thema Geduld ist etwas, woran ich persönlich bis heute an mir selbst jeden Tag auf’s Neue arbeiten muss.

Wie heißt es so schön, „Herr gebe mir Geduld, aber ein bisschen plötzlich“.

Tiere reagieren stark auf Körpersprache und den Tonfall eines Menschen – in Nina’s Fall zusätzlich einer Pfeife.

Dies zeigt, wie wichtig nonverbale Signale in jeder Form der Kommunikation sind. In Verhandlungen kann die Bewusstheit und Kontrolle über die eigene Körpersprache helfen, Vertrauen aufzubauen und Autorität auszustrahlen, ohne Worte nutzen zu müssen.

Deswegen haben mich auch schon früher Pferdetrainer, von mir aus Pferdeflüsterer fasziniert, die durch Körperhaltung und Präsenz, bestimmte Verhaltensweisen des Pferdes erreichen, ohne auch nur ein Wort zu sagen oder andere Hilfsmittel zu benutzen.

Beim Training oder der Pflege von Tieren ist Struktur der Schlüssel zum Erfolg.

Ähnlich ist es in Verhandlungen!

Ich muss dort beharrlich bleiben und gleichzeitig eine konsistente Botschaft und Haltung vermitteln. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit und trägt dazu bei, meine jeweiligen Verhandlungspartner vom eigenen Standpunkt zu überzeugen.

Deswegen habe ich mich auch im kollektiven Arbeitsrecht schon vor etlichen Jahren dazu entschieden, nur Betriebsräte, also nur eine Seite, zu vertreten.

Tiere haben oft wechselnde Stimmungen, die man erkennen und auf die man angemessen reagieren muss.

In einer Verhandlung ist die Sensibilität für Stimmung und Dynamik im Raum ebenso wichtig, um flexibel auf Veränderungen zu reagieren und die Strategie entsprechend anpassen zu können.

Der Umgang mit Tieren erfordert oft Führungsqualitäten, da Tiere, wie gerade ausgeführt, Anleitung und Struktur benötigen.

Diese Fähigkeit, Führung zu übernehmen und anderen Richtung und Sicherheit zu geben, ist in Verhandlungen unerlässlich.

Es zeigt sich in der Fähigkeit, die Verhandlung zu leiten und gleichzeitig die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen.

Was habe ich aus meinem Treffen mit Nina gelernt?

Der Umgang mit Tieren kann in vielerlei Hinsicht geradezu eine Schule für Verhandlungsführer sein.

Die Fähigkeiten, die man dabei entwickelt – von Empathie und Geduld über das Verständnis nonverbaler Signale bis hin zu Führungsqualitäten – sind direkt übertragbar auf die Herausforderungen, die Verhandlungen mit sich bringen.

Das Treffen mit Nina war eine Lehrstunde im Urlaub, über die ich mir zuhause niemals Gedanken gemacht hätte.

Wie verlief die Woche ansonsten?

Dienstag hatte ich gleich meinen ersten Gütetermin, ab Mittwoch ein Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht Fresh up Seminar in Detmold für Betriebsräte aus der Versicherungswirtschaft.

Nächste Woche bleibe ich in Bad Hersfeld und habe dort eine Schulung für Betriebsräte zum „Betrieblichen Eingliederungsmanagement Teil 1.“

Euch einen schönen Sonntag und einen tollen Wochenstart!